Grundregeln der Partnerakrobatik

Partnerakrobatik ist ohne Frage ein Leistungssport. Als Leistungssport ist Akrobatik nicht nur in vielen Gesichtspunkten anspruchsvoller als manch anderer Sport, sondern kann auch gewagter sein. Die Betonung muss hier aber ganz klar auf dem Work "kann" liegen. Wenn man sich an ein paar einfache Grundregeln hält, ist Akrobatik genauso sicher wie viele andere Sportarten und macht zudem gleich noch mehr Spaß. 

1. Redet miteinander

Kommunikation ist bei der Partnerakrobatik extrem wichtig, vor allem in der Abstimmung während einer Figur. Da man sich (gerade als Anfänger) stark auf die Figur und die eigenen Bewegungen konzentrieren muss, müssen die gegenseitigen Anweisungen ganz klar sein. Am Wichtigsten dabei ist zu wissen, wann man die Figur wieder abbauen soll. Vor allem, wenn sich der Flyer oben unwohl fühlt und die Figur schnell abbauen will. Um hier "Langes Warten" oder Diskussionen zu vermeiden sollte man sich auf ein Wort im Paar (oder einer Gruppe) einigen, mit dem abgebaut wird. Bei uns hat sich "Ab" als Kurzform von "Abbauen" eingebürgert.

Wenn einer der beiden Partner die Figur abbrechen oder abbauen will, sagt er bzw. sie „Ab!“. Beide Partner behalten die Spannung und bauen die Figur umgehend ab. Für beide Partner ist es sehr wichtig vom Abbau nicht überrascht zu werden.

Wenn die Base das Wort "Ab" hört, kann sie die Figur in Ruhe und kontrolliert abbauen. Ohne einen Hinweis kann die Base nur noch reagieren, verliert aber die Kontrolle über den Abbau.

Wenn der Flyer das Wort "Ab" hört, weiß er, dass er sein Gewicht (je nach Figur) verlagern muss und, dass es nach unten geht. Ohne diesen Hinweis ist das Gewicht ggf. noch an der (komplett) falschen Stelle, was den Abbau für die Base schwerer macht. Zudem hat der Flyer ein größeres Vertrauen in seine Base, wenn er sich darauf verlassen kann, dass ihm nie unvorbereitet der "Boden" unter den Füßen weggezogen wird.

Natürlich bezieht sich das miteinander reden nicht nur auf die Figur selbst. Beide Partner sollten sich vor der Figur abstimmen, wie sie welche Bewegungen wann durchführen. Auch das führt zu mehr Vertrauen und besserer Zusammenarbeit im Paar.

2. Finger weg von der Hilfestellung

Beim Lernen einer neuen Figur sollte man sich immer eine oder mehrere Spotter dazu stellen. Wenn eine Figur dann abgeht, gilt für den Flyer die Devise „Spannung halten und nicht nach der Hilfestellung greifen“. Auf diese Weise kann der Spotter den Flyer leicht abnehmen und sicher zu Boden führen.

Wenn der Flyer hingegen nach dem Spotter greift, wird er dem Spotter nie helfen, sondern vielmehr in seinem Job behindern. Je nach Figur greift der Spotter z.B. in Richtung der Arme des Flyers. Wenn diese sich in dem Moment, in dem der Spotter zugreifen will, aber in eine andere Richtung bewegen, greift der Spotter möglicherweise ins Leere. In einer schnellen Bewegung kann es außerdem geschehen, dass der Flyer genau die Hand wegschlägt, die ihn gerade auffangen will. 

So wie sich der Flyer auf den Spotter verlassen muss, dass er gefangen wird, so muss sich der Spotter auch darauf verlassen können, dass der Flyer auch im Problemfall die Spannung behält und nicht nach dem Spotter greift.

Dieser Punkt ist gerade für Neulinge oft sehr schwierig, weil man sich hier gegen die eigenen Schutzmechanismen des Körpers wehren muss. Habt als Spotter hier also (gerade mit Anfängern) Verständnis, falls es mal nicht klappen sollte und stellt euch darauf ein, dass der Flyer diese Regel vergessen könnte. Aber erinnert euch trotzdem immer gegenseitig höflich daran, die Finger von dem Spotter zu lassen!

3. Spannung halten

Egal was während einer Figur passiert, die Figur ist erst zu Ende, wenn Base und der Flyer beide wieder sicher auf dem Boden stehen. Bis zu diesem Punkt behalten beide Partner durchgehend die Körperspannung. Dadurch haben beide volle Kontrolle über die Figur. Wenn einer die Körperspannung verliert, hat der jeweilige Partner keine Möglichkeit mehr sauber zu handeln. Bei der Figur "Flieger" z.B. kann der Flyer nur über minimale Bewegungen der Finger der Base in verschiedene Richtungen bewegt und ausbalanciert werden, ohne dass die Figur auch nur ein bisschen wackelt. Sobald der Flyer in seiner Körperspannung nachlässt, nimmt er der Base diese Möglichkeit. Er verhält sich für die Base dann „wie ein Sack Kartoffeln“, der sich nur sehr schwer wieder sicher zurück auf den Boden führen lässt.  

Auch im Falle, dass die Figur instabil wird und ein Spotter zugreifen muss, ist es enorm wichtig die Körperspannung zu halten. Je stabiler ein Flyer ist, umso besser wird das Gewicht zwischen Base und Spotter verteilt. Im Idealfall muss der Spotter den Flyer noch gar nicht auffangen, sondern es reicht den Flyer zu stabilisieren und die Base zu unterstützen. Das geht aber natürlich nur, wenn der Flyer stabil ist.

Und zu guter Letzt wird die gesamte Figur für die Base wesentlich leichter. Genau wie ein gemeinsames Timing von Base und Flyer, macht auch eine gute Körperspannung für die Base gefühlt einen Unterschied von 5kg bis 10kg. Ein Flyer mit guter Körperspannung kann sich für die Base also leichter anfühlen, als ein Flyer mit weniger Gewicht, aber einer schlechteren Körperspannung.

Fazit

Diese Grundregeln machen Akrobatik wesentlich sicherer und einfacher. Zudem bieten sie eine gemeinsame Basis, wenn man mit mehreren Partnern trainiert und fördern das gegenseitige Vertrauen. Somit weiß jeder in einer Gruppe, was von einem erwartet wird und worauf man sich bei den anderen verlassen kann.

Im Training dürft ihr euch daher immer wieder gerne zurufen: "Redet miteinander", "Finger weg von der Hilfestellung" und "Spannung halten"!


1 Kommentar

  • Das sind tatsächlich sinnvolle, wichtige Tipps und daher sehr hilfreich beim Üben – Dafür besten Dank an die Profis!

    Jessi

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